Das Englische hat nach der üblichen Zählung der Lehrbücher zwölf Zeiten: drei Zeitstufen (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) mal vier Aspekte (simple, progressive, perfect, perfect progressive). Unten stehen alle zwölf in einer Tabelle, jeweils mit Bildung und Beispielsatz. Wichtiger als die Tabelle ist aber eine andere Nachricht: Fünf dieser Formen tragen den größten Teil dessen, was im Alltag gesagt wird, und die anderen sieben können warten, bis diese fünf ohne Nachdenken kommen.
Das Wichtigste
- Zwölf Zeiten sind keine zwölf Regeln, sondern ein Raster: Zeitstufe wählen, Aspekt wählen, die Hilfsverben ergeben sich.
- Simple Present, Present Progressive, Simple Past, Present Perfect und die Zukunft mit will oder going to: Damit fängst du an.
- Signalwörter helfen, entscheiden aber nicht. Die meisten Fehler kommen nicht aus einer vergessenen Formel, sondern aus dem Deutschen, das Zeit anders aufteilt.
Die englischen Zeiten in der Übersicht: Tabelle mit Bildung und Beispiel
Lies die Tabelle wie ein Koordinatensystem. Die Spalte sagt, wann; die Zeile sagt, wie die Handlung gesehen wird: als Tatsache, als laufender Vorgang, als Ergebnis vor einem Zeitpunkt oder als etwas, das bis zu diesem Zeitpunkt andauert. V2 ist die Simple-Past-Form (went, worked), V3 das Partizip (gone, worked).
| Aspekt | Vergangenheit | Gegenwart | Zukunft |
|---|---|---|---|
| Simple | V2: She worked late yesterday. | V / V-s: She works from home. | will + V: She will call you tomorrow. |
| Progressive | was/were + V-ing: She was working when I called. | am/is/are + V-ing: She is working right now. | will be + V-ing: She will be working at six. |
| Perfect | had + V3: She had left before I arrived. | have/has + V3: She has finished the report. | will have + V3: She will have finished by Friday. |
| Perfect Progressive | had been + V-ing: She had been waiting for an hour. | have/has been + V-ing: She has been working since nine. | will have been + V-ing: By June she will have been working here for ten years. |
Zwei Anmerkungen. Sprachwissenschaftlich hat das Englische nur zwei Zeiten, Gegenwart und Vergangenheit, denn nur diese beiden werden am Verb selbst markiert; Progressive und Perfect sind Aspekte, und will ist ein Modalverb, wie die UCL Internet Grammar erklärt. Die Tabelle mit zwölf Feldern ist ein Lernwerkzeug, und ein gutes, solange du weißt, dass sie eins ist. Und das going to-Future (She is going to move) taucht darin gar nicht auf, obwohl es eine der häufigsten Arten ist, über die Zukunft zu sprechen.
Welche Zeiten brauchst du zuerst?
Fünf Formen reichen, um über dein Leben zu sprechen, über das, was gerade passiert, was passiert ist und was kommt.
- Simple Present für Gewohnheiten, Fakten und Zustände: I live in Leipzig. She doesn't eat meat.
- Present Progressive für das, was gerade oder in dieser Zeit läuft, und für feste Verabredungen: I'm cooking. We're meeting at eight.
- Simple Past für Abgeschlossenes zu einem abgeschlossenen Zeitpunkt. Die Erzählzeit: We met in 2019.
- Present Perfect für Vergangenes, von heute aus betrachtet: Erfahrung, Ergebnis, Neuigkeit. I've been to London. I've lost my keys.
- Die Zukunft mit will oder going to. Going to für schon Beschlossenes, will für spontane Entscheidungen, Versprechen und Vorhersagen: I'm going to change jobs. I'll get the door.
Auf mittlerem Niveau kommt die zweite Schicht: Present Perfect Progressive (I've been waiting for ages), Past Progressive für den Hintergrund einer Geschichte und Past Perfect für die Vorvergangenheit. Future Progressive, Future Perfect und die beiden Perfect-Progressive-Formen in Vergangenheit und Zukunft gibt es, im Gespräch sind sie aber selten: Du wirst sie beim Lesen erkennen, lange bevor du sie selbst sagen musst. Laut der Longman Grammar of Spoken and Written English (Biber et al.) sind Verbformen ohne Perfect und ohne Progressive mit Abstand am häufigsten, im Gespräch wie im geschriebenen Text. Diese Reihenfolge ist also keine Bequemlichkeit, sondern Häufigkeit.
Signalwörter: woran du die Zeit erkennst
Zeitangaben zeigen oft auf die richtige Form, deshalb stehen sie auf jedem Übersichtsblatt:
| Zeit | Typische Signalwörter |
|---|---|
| Simple Present | always, usually, often, every day, on Mondays |
| Present Progressive | now, right now, at the moment, Look!, this week |
| Simple Past | yesterday, last year, two days ago, in 2019, when I was a child |
| Present Perfect | already, yet, just, ever, never, so far, since, for |
| Past Progressive | while, at eight last night, when + Simple Past |
| Past Perfect | by the time, before, after + Vergangenheitskontext |
| Zukunft | tomorrow, next week, soon, in two days, I think |
Aber ein Signalwort zeigt, es entscheidet nicht. For passt bestens zum Simple Past, wenn der Zeitraum vorbei ist: I lived there for two years (und bin dann umgezogen). Im amerikanischen Englisch steht just oft mit Simple Past: I just saw him. Und now verträgt sich mit dem Simple Present: I live in Berlin now. Die eigentliche Frage ist immer dieselbe: Ist der Zeitraum abgeschlossen, oder reicht er bis jetzt?
Wo dich das Deutsche in die Irre führt
Deutsch und Englisch sind nah verwandt, und gerade deshalb sehen manche Formen gleich aus und funktionieren anders.
Das Perfekt ist nicht das Present Perfect. Beide werden mit Hilfsverb und Partizip gebildet, aber das deutsche Perfekt ist die normale gesprochene Vergangenheit. „Ich habe ihn gestern gesehen“ heißt I saw him yesterday, niemals I have seen him yesterday: Sobald ein abgeschlossener Zeitpunkt genannt ist (yesterday, last week, in 2019), verlangt das Englische das Simple Past. Ein Trost: Das deutsche Präteritum, die Erzählzeit in Büchern und Berichten, fühlt sich ziemlich genau wie das Simple Past an. Denk beim Erzählen also eher „ich sah“ als „ich habe gesehen“.
**„Ich wohne seit fünf Jahren hier.“** Was in der Vergangenheit begann und noch andauert, steht im Deutschen im Präsens. Im Englischen braucht es das Perfect: I have lived here for five years, I have been working here since 2019. Seit wird zu for vor einem Zeitraum und zu since vor einem Zeitpunkt. I live here since five years ist der Klassiker unter den deutschen Fehlern. Und „vor fünf Jahren“ mit Vergangenheit ist five years ago.
Ein Präsens für alles, zwei im Englischen. „Was machst du?“ kann What are you doing? (gerade jetzt) oder What do you do? (beruflich) heißen. Das Deutsche braucht keine Verlaufsform; wer „Ich bin am Kochen“ sagt (die rheinische Verlaufsform), hat das Gefühl dafür schon, im Englischen ist I'm cooking aber Pflicht.
Präsens für die Zukunft. „Morgen fahre ich nach Hamburg“ ist im Deutschen völlig normal. Im Englischen heißt eine feste Verabredung I'm going to Hamburg tomorrow; Tomorrow I go to Hamburg klingt nach Fahrplan.
Der falsche Freund will. „Ich will einen Kaffee“ ist I want a coffee. I will bedeutet „ich werde“ und nicht „ich will“.
Eine gute Nachricht zum Schluss. Nach when, if und as soon as steht im Englischen die Gegenwart, auch wenn es um die Zukunft geht: I'll call you when I arrive. Genau wie im Deutschen: „Ich rufe dich an, wenn ich ankomme.“ Hier darfst du einfach übersetzen.
Wie du die Zeiten so übst, dass sie von allein kommen
Die Tabelle ist zum Nachschlagen da; Sprechen entsteht aus Sätzen, die du oft gesagt hast. Schreib für jede der fünf Grundformen fünf Sätze über dein Leben und sprich sie laut, bis sie am Stück kommen: was du jeden Tag tust, was du diese Woche machst, was du am Wochenende gemacht hast, was du noch nie getan hast, was du vorhast. Dann tausch jeweils ein Teil aus: das Subjekt, die Zeit, eine Verneinung, eine Frage. Warum ein Muster, das du dreißigmal variiert hast, mehr bringt als eine auswendig gelernte Regel, steht in Brauchst du Grammatik?.
Wenn du Englisch als Erwachsener wieder aufnimmst, ordnet Englisch lernen als Erwachsener die ersten Monate und zeigt, wo die Zeiten ihren Platz haben; jeden Tag hören und lesen liefert die Menge an echten Sätzen, in denen sich die Zeiten ohne Etikett festsetzen.
In LinguaPair
Der Englischkurs führt die Zeiten in der Reihenfolge dieses Artikels ein, nicht in der der Tabelle. In A1 kommen Simple Present, Present Progressive und going to; in A2 Simple Past, die Wahl zwischen will und going to und das Present Perfect samt seiner Grenze zum Simple Past; in B1 Present Perfect Progressive, for und since, Past Progressive und Past Perfect; in B2 Future Progressive und Future Perfect. Jede Lektion beginnt mit einer kurzen Einführung in der Sprache, in der du die App nutzt, und die Übungen sind Sätze: übersetzen, ergänzen, ordnen, laut sprechen. A0 und A1 sind kostenlos, und wenn du schon etwas Englisch kannst, setzt dich der Einstufungstest auf die passende Lektion statt auf die erste.
