Wenn deine Muttersprache Deutsch ist, lautet die kurze Antwort: Niederländisch, dicht gefolgt von Englisch, Dänisch, Norwegisch und Schwedisch. Unter den romanischen Sprachen fallen Italienisch und Spanisch am leichtesten. Die Ranglisten im Netz sehen oft ähnlich aus, sind aber für Englischsprachige gemacht, und das merkt man im Detail: Deutsch steht dort selbst als „schwer“ drin. Keine Sprache ist an sich leicht, sondern immer leicht von einer anderen aus. Und von Deutsch aus bekommst du bei den germanischen Nachbarn den halben Wortschatz geschenkt.
Das Wichtigste
- Leichtigkeit ist Abstand: Schrift, gemeinsame Wurzeln, Grammatik, Laute und wie viel Material es auf deinem Niveau gibt.
- Für Deutschsprachige ist Niederländisch die nächste große Sprache, Englisch die mit dem meisten Material, Italienisch und Spanisch die leichtesten romanischen.
- Eine leichte Sprache, die du nicht brauchst, gibst du schneller auf als eine schwere, die du brauchst. Leichtigkeit spart Monate, aber sie liefert keinen Grund.
Warum die Ranglisten im Netz nicht für dich gemacht sind
Die bekannteste Skala stammt vom Foreign Service Institute des US-Außenministeriums (FSI), das Diplomaten in Vollzeit ausbildet. Es teilt Sprachen in vier Kategorien nach der Zeit bis zu einem beruflichen Niveau: 24 bis 30 Wochen für die Sprachen, die dem Englischen am nächsten sind, rund 36 Wochen für Deutsch und etwa 88 für Japanisch, Koreanisch, Chinesisch und Arabisch.
Die Skala ist seriös, misst aber den Abstand vom Englischen. Für einen Amerikaner sind die vier Fälle und das Verb am Satzende das Schwerste am Deutschen. Für dich ist genau das ein Vorteil: Wer mit „Ich glaube, dass er morgen kommt“ aufgewachsen ist, erschrickt vor keinem Satzbau im Niederländischen. Eine offizielle Tabelle für Deutschsprachige gibt es nicht, darum ist das Folgende unsere Einschätzung nach fünf Kriterien, die du selbst prüfen kannst.
Fünf Kriterien für Leichtigkeit
1. Die Schrift. Mit dem lateinischen Alphabet liest du am ersten Tag ein Schild. Ein neues Alphabet kostet Wochen, nicht Jahre: Kyrillisch oder das koreanische Hangul lernt man in wenigen Tagen. Tausende Schriftzeichen wie die japanischen Kanji sind ein Projekt, das den ganzen Kurs begleitet.
2. Verwandtschaft und gemeinsame Wurzeln. Niederländisch, Englisch und die skandinavischen Sprachen sind germanisch wie Deutsch: Wasser, water, vand. Doch Verwandtschaft bringt falsche Freunde. Auf Niederländisch heißt bellen anrufen, nicht kläffen, und ein winkel ist ein Laden. Im Englischen ist gift ein Geschenk und kein Gift, become heißt werden, und ein handy ist eben kein Mobiltelefon.
3. Die Grammatik. Teuer ist, was das Deutsche nicht hat. Die gute Nachricht: Fast nichts, was du lernst, ist komplizierter als das, was du schon kannst. Niederländisch und Skandinavisch haben keine Fälle mehr, und in Norwegisch und Schwedisch ändert sich das Verb nicht einmal nach der Person: norwegisch jeg er, du er, han er. Neu sind eher Kleinigkeiten wie der angehängte Artikel (bilen, das Auto). Bei den romanischen Sprachen kommen das Subjunktiv-System und die zwei Vergangenheiten des Spanischen dazu.
4. Aussprache und Rechtschreibung. Italienisch und Spanisch spricht man fast so, wie man sie schreibt. Dänisch ist das Gegenteil: auf dem Papier freundlich, im Ohr berüchtigt, weil viele Konsonanten verschluckt werden. Englisch ist die klassische Falle: Wörter, die man geschrieben erkennt und gesprochen nicht mehr.
5. Material auf deinem Niveau. Serien, Podcasts, Lektüren, Leute zum Üben. Englisch gewinnt mit großem Abstand, Spanisch folgt; für kleinere Sprachen gibt es manchmal kaum einfache Texte.
Das Ranking für Deutschsprachige
| Sprache | Schrift | Was hilft | Was trotzdem Arbeit macht |
|---|---|---|---|
| Niederländisch | Lateinisch | Wortschatz und Satzbau sehr nah, keine Fälle | Falsche Freunde, das Gefühl, „fast“ Deutsch zu sprechen |
| Englisch | Lateinisch | Germanischer Kern, unendlich viel Material, Schulwissen | Aussprache, Rechtschreibung, Zeitformen |
| Dänisch, Norwegisch, Schwedisch | Lateinisch | Verb ohne Personalendungen, viele gemeinsame Wörter | Tonhöhenakzent, dänische Aussprache |
| Italienisch | Lateinisch | Wird gesprochen, wie es geschrieben wird | Konjunktiv, Präpositionen mit Artikel, Doppelkonsonanten |
| Spanisch | Lateinisch | Regelmäßige Aussprache, sehr viel Material | Zwei Vergangenheiten, Subjuntivo, schnelles Sprechen |
| Französisch, Portugiesisch | Lateinisch | Viel internationaler Wortschatz | Nasalvokale, Schrift und Klang gehen auseinander |
| Russisch | Kyrillisch | Fälle sind dir vertraut, Kyrillisch in einer Woche | Sechs Fälle, Verbaspekt, wandernde Betonung |
| Vietnamesisch | Lateinisch mit Tonzeichen | Keine Konjugation, keine Fälle | Sechs Töne |
| Japanisch, Koreanisch | Kana und Kanji, Hangul | Hangul in wenigen Abenden, regelmäßige Grammatik | Höflichkeitsstufen, Wortstellung, Kanji |
Die Reihenfolge innerhalb einer Zeile ist grob: Wer an der Grenze zu Dänemark wohnt, findet Dänisch leichter als Schwedisch, und wer in Basel lebt, hört Französisch längst jeden Tag.
Zwei ehrliche Vorbehalte
Nah heißt nicht mühelos. Beim Niederländischen versteht man vom ersten Tag an so viel, dass man leicht in einem eingedeutschten Niederländisch stecken bleibt. Wer weiterkommen will, muss genau das üben, was fast gleich klingt, denn dieses Fast ist die Sprache.
Leicht beginnt schnell und endet langsam. Auf Italienisch sagst du in einer Woche nützliche Sätze, die Feinheiten kommen bei B2 wie in jeder Sprache. Wie viele Stunden ein Niveau im normalen Leben kostet, nicht im Leben eines Diplomaten, steht in wie lange dauert es, eine Sprache zu lernen.
Und wenn das Ziel nicht die leichte, sondern die nötige Sprache ist?
Fast immer hat, wer nach der leichtesten Sprache sucht, schon eine Kandidatin, vor der er sich ein wenig fürchtet: das Englisch für den Job, das Russisch der Schwiegereltern, das Koreanisch der Partnerin. Dann beantwortet das Ranking die falsche Frage. Eine schwere Sprache, die du jeden Tag benutzt, übersteht den dritten Monat; eine leichte, gewählt, weil sie leicht ist, eher selten. Wie man Wunsch, Nutzen und Schwierigkeit gegeneinander abwägt, steht in welche Sprache soll ich lernen.
Und „schwer“ sind meist zwei getrennte Kosten, die man nacheinander zahlt. Zuerst die Schrift, und die ist kleiner, als sie aussieht: das kyrillische Alphabet passt auf einen Bildschirm. Danach die Grammatik, und die ist ein längerer Weg, kein versperrter.
Ein Test über eine Woche
Ein Ranking beschreibt Sprachen; du bist ein Mensch mit deinem Gehör und deinem Gedächtnis. Gib zwei Kandidatinnen vor der Entscheidung je drei kurze Einheiten:
- Lies einen kurzen Absatz laut vor und prüfe, wie viel du richtig ausgesprochen hast.
- Hör zwei Minuten langsames, deutliches Sprechen und zähl die Wörter, die du erkannt hast.
- Lern zwanzig Alltagswörter und frag dich zwei Tage später ab.
Die Sprache, von der nach der dritten Einheit mehr hängen bleibt, ist die leichte für dich, egal was die Ranglisten sagen.
In LinguaPair
Hier gibt es zehn Sprachen, jede als vollständiger Kurs von A0 bis C2, darunter Englisch, Italienisch, Spanisch, Französisch und Portugiesisch. A0 und A1 sind in jedem Kurs kostenlos, der Test über eine Woche kostet also nichts, und jeder Kurs beginnt mit seiner Schrift: Ein neues Alphabet ist die erste Stufe, kein Hindernis. Wenn du Englisch in der Schule hattest, setzt dich der kostenlose Einstufungstest in die richtige Lektion statt in die erste. Und wenn die nötige Sprache die deines Partners ist, ist die App genau dafür gebaut, sie zu zweit zu lernen.
