Japanisch kannst du alleine lernen, und die Reihenfolge, die funktioniert, ist bekannt: Hiragana in der ersten oder zweiten Woche, gleich danach Katakana, dann das höfliche Japanisch mit です/ます und seinen Partikeln, die ersten 500 bis 1000 Wörter und Kanji, ein paar am Tag, eingebettet in Wörter, die du schon kennst. Die Grammatik ist regelmäßiger als ihr Ruf; lang macht das Japanische die Schrift. Für Deutschsprachige gehört es zu den längsten Wegen, also plane in Monaten, miss in Niveaus und verteidige deine tägliche Lernzeit.
Das Wichtigste
- Kana vor allem anderen. Lass Romaji fallen, sobald du lesen kannst.
- Kanji lernt man über Wörter, nicht als Liste von zweitausend Zeichen. Ein paar am Tag genügen.
- Fang mit den höflichen Formen です/ます an und benutze sie mit allen; die lockere Sprache kommt später.
- Anime und Manga sind Treibstoff fürs Hören und Lesen, kein Vorbild dafür, wie man mit Fremden spricht.
Woche 1 bis 3: Hiragana und Katakana
Japanisch schreibt man mit drei Systemen zugleich. Hiragana (46 Grundzeichen) schreibt grammatische Endungen und japanische Wörter, Katakana (weitere 46, dieselben Laute in kantiger Form) Lehnwörter und fremde Namen, Kanji die Wortstämme der meisten Wörter. Jedes Kana ist eine Silbe: か (ka), き (ki), く (ku). Zwei kleine Zeichen machen neue Laute daraus (aus か ka wird が ga, aus は ha wird ぱ pa), und kleine ゃ, ゅ, ょ bilden Verbindungen wie きゃ (kya).
Ein realistischer Plan: Hiragana in sieben bis zehn Tagen, zehn Zeichen am Tag, vom ersten Tag an in echten Wörtern gelesen. Danach Katakana in einer Woche, schneller, weil die Laute schon sitzen und die Wörter oft verkleidetes Englisch sind: コーヒー (kōhī, Kaffee), テレビ (terebi, Fernseher), パン (pan, Brot, aus dem Portugiesischen). Die Tabellen für Hiragana und Katakana zeigen jedes Zeichen mit Strichfolge. Romaji ist eine Leiter für diese Wochen, und es stellt deutschen Lesern Fallen: z ist ein stimmhaftes „s“ wie in „Sonne“, nie „ts“ (ぜんぜん, zenzen, überhaupt nicht); j klingt wie „dsch“, ch wie „tsch“, sh wie „sch“, y wie „j“; und ei ist ein langes „e“, kein „ai“. Wie man sich eine neue Schrift einprägt, steht in ein neues Alphabet lernen.
Die Laute: anfangs leicht, dann die Details
Japanisch hat fünf Vokale, a, i, u, e, o, kurz und klar, und kaum Konsonantenhäufungen, deshalb klingen die ersten Wörter schnell verständlich. Die Details, die den Sinn ändern oder einen deutschen Akzent verraten:
- Länge. Ein langer Vokal macht ein anderes Wort: おばさん (obasan) ist eine Tante, おばあさん (obāsan) eine Großmutter; ビル (biru) ist ein Gebäude, ビール (bīru) Bier. Deutsch kennt lange Vokale, das hilft.
- Das kleine っ, eine gehaltene Pause vor dem Konsonanten: きて (kite), komm, und きって (kitte), eine Briefmarke.
- Das stimmlose „s“. Am Wortanfang summt das Deutsche: すし (sushi) und さようなら (sayōnara) beginnen mit scharfem „s“.
- 先生 ist nicht „Sensai“. Sensei klingt wie „sen-see“, mit langem „e“.
- Das „r“. Ein kurzer Zungenschlag, fast ein leichtes „d“ oder „l“, nie das Zäpfchen-„r“.
- Die Melodie. Kein Druckakzent wie im Deutschen, sondern hoch und tief: はし hoch-tief gesprochen sind Essstäbchen, tief-hoch eine Brücke. Vom Audio abschauen, nicht auswendig lernen.
Übe das paarweise, wie Minimalpaare in jeder Sprache.
Kanji ohne Panik
Die offizielle Liste der Zeichen für den allgemeinen Gebrauch, die Jōyō-Kanji, umfasst 2136 Zeichen; japanische Kinder lernen 1026 davon in der Grundschule. Keine der beiden Zahlen betrifft dich im ersten Jahr. Was funktioniert:
- Kanji in Wörtern lernen. 学 heißt Lernen, aber man merkt es sich über 学生 (gakusei, Student) und 大学 (daigaku, Universität).
- Mit zwei Lesungen rechnen. 山 allein liest man yama (japanische Lesung), in 富士山 (Fujisan, der Fuji) aber san; 人 allein hito, in 日本人 (nihonjin) jin. Welche gilt, sagt das Wort.
- Einfache und häufige zuerst. Zahlen, Tage, Menschen, Orte, gängige Verben: 日, 月, 人, 山, 行, 見, 食.
- Drei bis fünf am Tag, wiederholt mit verteilter Wiederholung. Der JLPT veröffentlicht keine Kanjilisten mehr, aber die Vorgaben der alten Prüfung sahen auf der Anfängerstufe etwa 100 Zeichen vor und auf der höchsten etwa 2000, und Lernende nutzen diese Zahlen bis heute als grobe Landkarte.
Grammatik: Wortstellung, Partikeln und Höflichkeit
Das Verb steht am Ende, wie im deutschen Nebensatz, nur immer: 私はコーヒーを飲みます (watashi wa kōhī o nomimasu), „ich-Thema Kaffee-Objekt trinke“. Zeit, Verneinung und Höflichkeit sitzen am Satzende. Es gibt keine Artikel, kein grammatisches Geschlecht, keine Fälle im deutschen Sinn und keine Konjugation nach Person: nomimasu gilt für ich, du und sie, und das Subjekt fällt weg, wenn es klar ist.
| Partikel | Aufgabe | Beispiel |
|---|---|---|
| は (wa) | Thema: was angeht | 私は (watashi wa), was mich angeht |
| が (ga) | Subjekt, neue Information | 雨が降っています (ame ga futte imasu), es regnet |
| を (o) | direktes Objekt | パンを食べます (pan o tabemasu), ich esse Brot |
| に (ni) | wohin, wann | 学校に行きます (gakkō ni ikimasu), ich gehe zur Schule |
| で (de) | wo etwas geschieht, womit | 家で勉強します (ie de benkyō shimasu), ich lerne zu Hause |
| も (mo) | auch | 私も (watashi mo), ich auch |
Achtung: は und を liest man als Partikeln wa und o. Höflichkeit steckt im Verb: Fang mit den Formen auf です/ます an, richtig mit Fremden, Kollegen und Verkäufern. Die schlichten Formen (食べる, 行く) sind für Freunde und Familie und kommen auf A2. Keigo, die respektvollen und bescheidenen Formen aus Beruf und Service, ist Stoff für B1. Und あなた ist kein neutrales „Sie“: Man sagt den Namen mit さん (san) oder gar nichts.
Die ersten 500 bis 1000 Wörter
Nimm dir 300 bis 500 Wörter für die ersten zwei Monate vor und etwa 1000 bis zum sechsten, zehn neue am Tag, jedes in einem kurzen Satz mit Audio; warum, steht in die ersten 1000 Wörter. Lehnwörter in Katakana sind geschenkter Wortschatz, mit einer Falle: Manche wurden in Japan erfunden und meinen etwas anderes. マンション (manshon) ist ein Mehrfamilienhaus, keine Villa, コンセント (konsento) eine Steckdose. Ein deutsches Lehnwort gibt es auch: アルバイト (arubaito) ist der Nebenjob, von „Arbeit“. Die zweite Überraschung sind Zählwörter: 一本 (ippon) für lange Dinge, 一枚 (ichimai) für flache, 一人 (hitori) für eine Person; lern die fünf oder sechs häufigsten, der Rest kommt. Im Bildwörterbuch zeigt das Thema Alltagsausdrücke dieselben Wörter auf Japanisch und in neun weiteren Sprachen.
Anime und Manga, mit Plan
Viele kommen über Anime oder Manga zum Japanischen, und das ist ein guter Grund. Nutze sie mit Plan: eine Serie, eine Folge für die Handlung, dann eine Fünf-Minuten-Szene mit japanischen Untertiteln, laut nachgesprochen. Manga für Jugendliche drucken oft kleine Lesehilfen (Furigana) neben die Kanji, und das ist echtes Lesetraining. Die Warnung: Anime-Sprache ist stilisiert. Die Figuren sagen 俺 (ore) und お前 (omae), lassen alle höflichen Endungen weg und benutzen Satzenden, die kein Erwachsener im Beruf benutzt; mit einem echten Menschen klingt das grob oder komisch. Versteh die Figuren, aber sprich wie das Lehrbuch. Mehr zur Methode in Sprachen lernen mit Filmen und Serien.
Ein Plan nach Wochen und Monaten
| Wann | Was du lernst | Was du dann kannst |
|---|---|---|
| Woche 1 bis 3 | Hiragana, dann Katakana | jedes Wort in Kana laut lesen |
| Woche 4 bis 8 | Begrüßungen, です, これ/それ/あれ, Zahlen und Uhrzeit, erste Kanji | dich vorstellen, nach Uhrzeit und Preis fragen |
| Monat 3 und 4 | ます-Verben in Gegenwart und Vergangenheit, Partikeln, 300 bis 500 Wörter | deinen Tag beschreiben |
| Monat 5 bis 8 | Adjektive, die て-Form, schlichte Formen, 800 bis 1000 Wörter, etwa 150 Kanji | langsamen Dialogen folgen, N5 anpeilen |
| Monat 9 bis 12 | Wünsche, Vergleiche, Gründe, Geben und Nehmen | über Pläne und Vergangenes sprechen, N4 anpeilen |
Bei 45 bis 60 Minuten am Tag sind das realistische Ziele, keine Versprechen. Wovon die Gesamtdauer abhängt, steht in wie lange dauert es, eine Sprache zu lernen.
Der JLPT in Kürze
Der JLPT hat fünf Stufen, von N5, der leichtesten, bis N1. Er prüft Wortschatz, Kanji, Grammatik, Lesen und Hören; Sprechen und Schreiben kommen nicht vor, das Zertifikat sagt also nichts darüber, wie du dich unterhältst. Er findet im Juli und Dezember in Japan und in vielen Ländern statt (manche Städte bieten nur einen Termin im Jahr), es gibt maximal 180 Punkte, und das Zertifikat verfällt nicht. N2 ist die Stufe, die viele Arbeitgeber und Universitäten in Japan verlangen. Wie er sich zu anderen Prüfungen verhält, steht in Sprachzertifikate.
Woran Deutschsprachige hängen bleiben
- Im Romaji wohnen bleiben. Es versteckt lange Vokale und das っ und lässt z wie „ts“ klingen.
- „Sensai“ statt sensei. Ei ist ein langes „e“.
- Das summende „s“ am Anfang. すし beginnt scharf.
- Druckakzent. Ein betonter Silbenschlag verzerrt das Japanische; besser gleichmäßige Takte und die Melodie vom Audio.
- Kanji-Karteikarten ohne Wörter. Die Zeichen gehen verloren; lern sie in Wörtern, die du schon sagst.
- Mit dem Sprechen warten, bis die Kanji sitzen. Sie sitzen nie ganz. Sprich ab der zweiten Woche mit dem, was du hast.
In LinguaPair
Der Japanischkurs reicht von A0 bis C2, und A0 und A1 sind kostenlos. A0 ist Hiragana mit Strichfolge und Audio; A1 bringt Katakana, Begrüßungen, です, Orte, Zahlen und Uhrzeit, die ます-Verben und die ersten Kanji, immer mit ihrer Lesung. Erklärungen und Wortbedeutungen kommen auf Deutsch, nur der Lernstoff ist Japanisch. Wenn du schon etwas Japanisch kannst, setzt dich der kostenlose Einstufungstest auf die passende Lektion. Wörter aus Lektionen, Lesetexten und Filmen landen in einem einzigen Trainer mit verteilter Wiederholung, jedes mit Beispiel und Audio. Und wenn dein Partner oder deine Partnerin Japanisch spricht, trägt der Live-Übersetzer eure Gespräche, während du lernst; wie das beim Besuch der Familie aussieht, steht in die japanischen Eltern des Partners kennenlernen. Steht auch Koreanisch auf deiner Liste, lies Koreanisch alleine lernen.
