Die Eltern des Partners in Frankreich kennenzulernen heißt meistens: ein Abendessen, und ein französisches Abendessen hat eine Form. Aperitif, Vorspeise, Hauptgang, Käse, Dessert, Kaffee und dazwischen sehr viel Gespräch. Französische Eltern sind anfangs oft zurückhaltender als italienische oder spanische, legen aber großen Wert auf Form. Ein richtiges bonjour, die passende Wahl zwischen tu und vous und ein, zwei eigene Meinungen am Tisch zählen mehr als ein perfekter Akzent.
Hier sind dreißig Sätze mit einer Aussprachehilfe für deutschsprachige Leser, danach die Etikette, die französische Familien voraussetzen, was in Belgien, der Schweiz und Québec anders ist, die häufigsten Fehler und ein Zweiwochenplan.
Das Wichtigste
- Sag jedem bonjour oder bonsoir, mit madame oder monsieur, und bleib beim vous, bis die Eltern on peut se tutoyer vorschlagen, „wir können uns duzen“. Wie bei uns schlägt das die ältere Seite vor, manchmal nach einer Stunde, manchmal nach Monaten.
- La bise, der Kuss auf beide Wangen, ist in vielen Familien schon beim ersten Treffen üblich; die Zahl der Küsse hängt von der Region ab. Lass sie anfangen.
- Das Gespräch gehört zum Essen. Eine Meinung zu haben und sie höflich zu verteidigen, ist ein Kompliment an die Gastgeber, kein Fauxpas.
Vor dem Besuch
- Frag deinen Partner, wie die Familie tickt. Paris, Lyon, die Bretagne und Marseille unterscheiden sich, ebenso die Generationen: Zahl der Küsse, Tempo beim tu, Länge des Essens.
- Bring etwas mit, aber überlegt. Gute Pralinen, ein Dessert aus der Konditorei oder Blumen sind sicher. Wein geht auch, aber oft ist der Wein zum Essen schon ausgesucht, also rechne nicht damit, dass deiner geöffnet wird. Nie Chrysanthemen: Sie gehören aufs Grab.
- Komm zehn bis fünfzehn Minuten später. Das quart d'heure de politesse gibt den Gastgebern Zeit; deutsche Pünktlichkeit auf die Minute ist hier eher zu früh.
- Komm nicht hungrig zu einem frühen Essen. Vor acht beginnt das Abendessen selten, und zuerst kommt der Aperitif.
Die 30 Sätze
Die Umschrift ist deutsch geschrieben, die betonte Silbe in Großbuchstaben; im Französischen liegt sie fast immer auf der letzten Silbe. Ein n nach einem Vokal (an, on, än) wird nicht gesprochen, sondern macht den Vokal nasal. Das zh steht für das weiche sch in „Garage“, ss für ein stimmloses s, ö und ü klingen wie im Deutschen, und das r wird hinten im Rachen gesprochen. Endkonsonanten bleiben meist stumm. Eine Frau schreibt enchantée und heureuse: Das erste klingt gleich, das zweite endet auf „ös“. ○○ steht für einen Namen oder ein Wort zum Einsetzen.
Begrüßung und erste Worte
| Französisch | Aussprache | Bedeutung |
|---|---|---|
| Bonsoir madame, bonsoir monsieur. | bon-SSUAR ma-DAM, bon-SSUAR mö-SSJÖ | Guten Abend, Madame, Monsieur. Vor dem Abend: bonjour. |
| Enchanté. | an-schan-TE | Sehr erfreut. |
| Je suis ○○. | zhö ssüi ○○ | Ich bin ○○. |
| Merci beaucoup pour l'invitation. | mär-SSI bo-KU pur län-wi-ta-SSJON | Vielen Dank für die Einladung. |
| ○○ m'a beaucoup parlé de vous. | ○○ ma bo-KU par-LE dö WU | ○○ hat mir viel von Ihnen erzählt. |
| Je suis très heureux de vous rencontrer enfin. | zhö ssüi trä sö-RÖ dö wu ran-kon-TRE an-FÄN | Ich freue mich sehr, Sie endlich kennenzulernen. |
Höflichkeit und Bitten
| Französisch | Aussprache | Bedeutung |
|---|---|---|
| Je vous en prie. | zhö wu san PRI | Gern geschehen oder bitte schön: die höfliche Antwort auf merci. |
| J'ai apporté un petit quelque chose. | zhe a-por-TE än pö-TI käl-kö SCHOS | Ich habe eine Kleinigkeit mitgebracht. |
| J'apprends encore le français. | zha-PRAN an-KOR lö fran-SSÄ | Ich lerne noch Französisch. |
| Pourriez-vous parler un peu plus lentement ? | pu-rje-WU par-LE än pö plü lant-MAN | Könnten Sie etwas langsamer sprechen? |
| Pardon, vous pouvez répéter ? | par-DON, wu pu-WE re-pe-TE | Entschuldigung, können Sie das wiederholen? |
| Comment dit-on ça en français ? | ko-MAN di-TON ssa an fran-SSÄ | Wie sagt man das auf Französisch? |
Am Tisch
| Französisch | Aussprache | Bedeutung |
|---|---|---|
| Vous avez une très belle maison. | wu sa-WE sün trä bäl mä-SON | Sie haben ein sehr schönes Haus. |
| Ça sent très bon ! | ssa ssan trä BON | Das riecht wunderbar! |
| Bon appétit ! | bo-na-pe-TI | Guten Appetit! |
| C'est délicieux ! | ssä de-li-SSJÖ | Das ist köstlich! |
| Vous me donnerez la recette ? | wu mö don-RE la rö-SSÄT | Geben Sie mir das Rezept? |
| Je peux en reprendre un peu ? | zhö pö an rö-PRANDR än PÖ | Darf ich noch etwas nehmen? |
| Merci, je n'ai plus faim, c'était excellent. | mär-SSI, zhö nä plü FÄN, sse-TÄ äk-ssä-LAN | Danke, ich bin satt, es war ausgezeichnet. |
| Je peux vous aider à débarrasser ? | zhö pö wu se-DE a de-ba-ra-SSE | Darf ich beim Abräumen helfen? |
Small Talk
| Französisch | Aussprache | Bedeutung |
|---|---|---|
| Je viens de ○○. | zhö wjän dö ○○ | Ich komme aus ○○. |
| Je travaille dans ○○. | zhö tra-WAJ dan ○○ | Ich arbeite im Bereich ○○. |
| J'adore la cuisine française. | zha-DOR la kü-i-SIN fran-SSÄS | Ich liebe die französische Küche. |
| Nous nous sommes rencontrés à ○○. | nu nu ssom ran-kon-TRE a ○○ | Wir haben uns in ○○ kennengelernt. |
| ○○ compte beaucoup pour moi. | ○○ kont bo-KU pur MUA | ○○ bedeutet mir sehr viel. |
Danken und verabschieden
| Französisch | Aussprache | Bedeutung |
|---|---|---|
| Merci pour tout. | mär-SSI pur TU | Danke für alles. |
| J'ai passé une excellente soirée. | zhe pa-SSE ün äk-ssä-LANT ssua-RE | Es war ein wunderbarer Abend. |
| Il se fait tard, je vais vous laisser. | il ssö fä TAR, zhö wä wu lä-SSE | Es ist spät geworden, ich lasse Sie jetzt in Ruhe. |
| J'espère vous revoir bientôt. | zhäs-PÄR wu rö-WUAR bjän-TO | Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder. |
| Bonne soirée, au revoir ! | bon ssua-RE, o rö-WUAR | Einen schönen Abend noch, auf Wiedersehen! |
Die Etikette, die französische Familien voraussetzen
- Erst bonjour, immer. Einen Raum zu betreten, ohne jeden zu begrüßen, gilt in Frankreich als unhöflich. Sag bonjour madame, bonjour monsieur ohne Nachnamen und folge dann ihrem Beispiel bei Bise oder Handschlag.
- Der Aperitif ist ein eigener Gang. Getränke und Häppchen kommen zuerst, oft eine halbe Stunde oder länger. Teil dir die Kräfte ein; das Essen hat noch nicht begonnen.
- Brot liegt auf dem Tisch. Dein Stück neben dem Teller, nicht darauf, und es wird gebrochen, nicht geschnitten.
- Käse vor dem Dessert. Nimm von zwei, drei Sorten ein wenig und schneide nie die Spitze eines Keils ab: Schneide längs, damit der Nächste gleich viel Rinde und Herz bekommt.
- Hände auf den Tisch, Handgelenke an die Kante. Hände im Schoß wirken am französischen Tisch seltsam.
- Diskussion ja, Geld nein. Essen, Bücher, Reisen und sogar Politik sind willkommen; nach dem Gehalt fragen ist es nicht.
- Teller leeren und sagen, warum es geschmeckt hat. Ein konkretes Lob für die Soße oder den Käse wirkt mehr als ein allgemeines.
Belgien, die Schweiz und Québec
In Belgien ist oft nur ein Kuss üblich, in der französischsprachigen Schweiz häufig drei. In Québec wechselt man viel schneller zum tu, das Abendessen heißt oft souper, und auf merci antwortet man bienvenue. Auch Wörter ändern sich: In Belgien und der Schweiz heißen siebzig und neunzig septante und nonante. Frag deinen Partner, welches Französisch die Familie spricht.
Häufige Fehler
- Ungefragt duzen. Warte auf on peut se tutoyer oder tu peux me tutoyer.
- Das bonjour auslassen. Mit einer Frage oder einem salut zu beginnen, wirkt beim ersten Treffen schroff.
- Zu früh kommen oder hungrig erscheinen und die Aperitif-Häppchen wie das Abendessen behandeln.
- *Je suis plein* oder pleine sagen, um „ich bin satt“ zu meinen. Bei Tieren heißt pleine trächtig, und auch plein klingt am Tisch komisch; sag je n'ai plus faim.
- Den ganzen Abend schweigen. Eine bescheidene Meinung oder eine Frage zur Region ist besser als höfliches Schweigen.
Ein Zweiwochenplan
- Tag 1–3: die Tür. Bonsoir madame, bonsoir monsieur, enchanté, je suis ○○, mit der Bise, die in der Familie üblich ist.
- Tag 4–6: der Tisch. Bon appétit, c'est délicieux und je peux en reprendre un peu ? bei echten Mahlzeiten; übe die Nasale.
- Tag 7–9: die Fragen. Kurze Antworten zu Beruf, Familie, deinem Land und eurem Kennenlernen, dazu eine Meinung zur französischen Küche. Dein Partner spielt die Eltern und siezt dich.
- Tag 10–12: der ganze Abend. Vom Aperitif bis il se fait tard, je vais vous laisser.
- Tag 13–14: der Feinschliff. Ein Laut pro Satz, meist das ü und das r, und die zehn Sätze, die du sicher sagen wirst.
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Vergleiche denselben Besuch anderswo: spanischsprachige Eltern, italienische Eltern, brasilianische Eltern, koreanische Eltern und japanische Eltern. Steht eine Hochzeit an, geht es weiter mit Trinkspruch und Eheversprechen in der Sprache deines Partners, und warum je t'aime bien weniger ist als je t'aime, erklärt „Ich liebe dich“ in 10 Sprachen.
Für eine vietnamesische Familie gibt es 30 Sätze für vietnamesische Eltern; und wenn dein ausländischer Partner deine Eltern trifft, lies, welche deutschen Sätze du ihm beibringst.
